Bei Kerto® LVL T verlaufen die Furniere in Längsrichtung. Dadurch entsteht ein Bauteil mit hoher Längsfestigkeit,
guter Maßhaltigkeit und geringem Eigengewicht.
Im Unterschied zu Vollholz werden natürliche Holzmerkmale wie Äste, Faserabweichungen und Wachstumsunregelmäßigkeiten
im Herstellprozess verteilt. Das reduziert die Auswirkungen einzelner Fehlstellen und sorgt für gleichmäßigere
technische Eigenschaften. Kerto® LVL T ist dadurch besonders gerade, verwindungssteif und gut für präzise
Holzrahmenbaukonstruktionen geeignet.
Das Produkt wird als Stangenware eingesetzt. In der SCS-Broschüre wird Kerto® LVL T als Ersatz für DUO/KVH, für
Ständerwerk und Sparren beschrieben. Für alle tragenden Anwendungen gilt: Die Bauteildimensionierung muss
projektspezifisch durch eine qualifizierte Planung erfolgen.
Wofür ist Kerto® LVL T geeignet und wofür nicht?
Geeignet ist Kerto® LVL T für
- Tragende und nicht tragende Innenwände im Holzrahmenbau
- Außenwandständer in gedämmten Holzrahmenbaukonstruktionen
- Hoch belastete Ständerbereiche neben Fenster- und Türöffnungen
- Gerade Wand-Anfangsständer und Anschlussständer
- Riegel, Stiele und Unterkonstruktionen im Holzbau
- Sekundärbalken und Unterkonstruktionen von Fußböden
- Sanierungen, Umbauten und Ausgleichskonstruktionen
- Vorfertigung im Holzsystembau
Nicht geeignet ist Kerto® LVL T für
- Dauerhaft nasse Bereiche ohne konstruktiven Holzschutz
- Direkten Erd- oder Wasserkontakt
- Ungeschützte Außenbauteile mit dauerhafter Bewitterung
- Sichtbare Bauteile mit hohen optischen Anforderungen, sofern keine entsprechende Oberfläche geplant ist
- Anwendungen ohne statische Bemessung bei tragenden Bauteilen
- Bereiche, in denen besondere Feuchte-, Brand- oder Schallschutzanforderungen ohne Fachplanung erfüllt werden müssen
Hinweis: Für statische Berechnungen wenden Sie sich bitte an einen Fachplaner oder Statiker.
Welche Probleme löst Kerto® LVL T?
Klassische Vollholzständer können sich je nach Holzfeuchte, Querschnitt und Einbausituation verziehen, verdrehen
oder reißen. Das erschwert die Montage von Beplankungen und kann zu unebenen Wandflächen führen. Kerto® LVL T ist
technisch veredelt, trocken und dimensionsstabil. Dadurch lassen sich gerade Wandkonstruktionen mit höherer
Ausführungsqualität realisieren.
Ein weiteres Thema sind Wärmebrücken. Bei klassischen Wandständern können größere Holzquerschnitte zu einem höheren
Holzanteil in der Dämmebene führen. Kerto® LVL T ermöglicht bei entsprechender Bemessung schlankere Querschnitte.
Dadurch kann mehr Dämmstoff im Gefach eingesetzt und der wärmetechnische Aufbau verbessert werden.
Auch bei Fenster- und Türöffnungen treten häufig erhöhte Lasten auf. Kerto® LVL T eignet sich für hoch belastete
Stützenbereiche, weil geringe Querschnitte mit hoher Leistungsfähigkeit kombiniert werden können. Die endgültige
Querschnittswahl hängt jedoch immer vom statischen Nachweis ab.
Bei Sanierungen löst Kerto® LVL T zudem das Problem unebener oder verzogener Bestandskonstruktionen. Als gerades
Ausgleichs- oder Unterlagsholz kann es helfen, Fußboden- und Wandaufbauten sauber auszurichten.
Was unterscheidet Kerto® LVL T von anderen Holzprodukten im SCS Holzshop?
Kerto® LVL T vs. KVH
KVH ist massives, technisch getrocknetes Konstruktionsvollholz. Es ist wirtschaftlich und für viele
Standardkonstruktionen geeignet. Kerto® LVL T ist dagegen ein Furnierschichtholz mit industriell homogenisiertem
Aufbau. Es ist besonders gerade, formstabil und für schlanke, hoch belastbare Ständer geeignet.
Wenn Maßhaltigkeit und reduzierte Querschnitte im Vordergrund stehen, ist Kerto® LVL T die technisch präzisere
Lösung. Wenn ein einfacher Standardquerschnitt für nicht sichtbare Konstruktionen ausreicht, ist KVH häufig
wirtschaftlicher.
Kerto® LVL T vs. BSH
BSH besteht aus verleimten Lamellen und wird häufig für sichtbare Träger, Unterzüge, Pfetten oder Stützen eingesetzt.
Kerto® LVL T ist kein klassischer Leimbinder, sondern ein Furnierschichtholz-Ständer für stabförmige Anwendungen im
Holzrahmenbau. BSH ist meist die passende Wahl für sichtbare Tragkonstruktionen mit größeren Querschnitten.
Kerto® LVL T eignet sich eher für schlanke Wandständer, Riegel und nicht sichtbare Unterkonstruktionen.
Kerto® LVL T vs. Kerto® LVL S
Kerto® LVL S ist ein hochleistungsfähiges Furnierschichtholz für Balken, Sparren, Pfetten, Unterzüge und Stützen.
Es wird dort eingesetzt, wo hohe Lasten und größere Spannweiten gefragt sind. Kerto® LVL T ist leichter und auf
Wandständer, Riegel und sekundäre Bauteile ausgelegt. Für Hauptträger und größere Spannweiten ist Kerto® LVL S in
der Regel die passendere Variante, für Wandständer und schlanke Rahmenkonstruktionen Kerto® LVL T.
Kerto® LVL T vs. Kerto® LVL L
Kerto® LVL L enthält Querlagen und wird vor allem für Platten, Schwellen, Rähm und leichte Anwendungen genutzt.
Kerto® LVL T besitzt parallel verlaufende Furniere und wird als Stangenware für Ständer und Riegel eingesetzt. Die
Auswahl richtet sich nach Bauteilfunktion, Lastabtragung und Konstruktion.
Hinweise zur Verarbeitung
Materialtypische Eigenschaften
Holz ist ein Naturprodukt. Auch bei industriell hergestelltem Furnierschichtholz können Farbunterschiede, Äste im
Furnierbild, Harzstellen, kleinere Oberflächenunregelmäßigkeiten und feine Trocknungsrisse auftreten. Diese
Merkmale sind materialtypisch und im üblichen Rahmen kein Reklamationsgrund.
Kerto® LVL T besteht aus Nadelholzfurnieren. Durch den Furnieraufbau ist das Material formstabiler als viele
massive Vollholzquerschnitte, bleibt aber ein Holzwerkstoff und reagiert auf Feuchteänderungen. Eine trockene
Lagerung und fachgerechte Verarbeitung sind daher entscheidend.
Wichtige Verarbeitungshinweise
- Kerto® LVL T trocken, eben und gut belüftet lagern
- Material vor direkter Bewitterung und stehender Feuchtigkeit schützen
- Vor der Montage an die Baustellenbedingungen anpassen, besonders bei Innenausbau und Sanierung
- Bauteile gemäß Planung und statischem Nachweis einbauen
- Wandständer lot- und fluchtgerecht ausrichten
- Geeignete Nägel, Schrauben, Klammern und Holzbauverbinder nach Herstellervorgaben verwenden
- Vorbohren je nach Verbindungsmittel, Randabstand, Bauteildicke und Einbausituation prüfen
- Bauteile vor dauerhafter Durchfeuchtung schützen
- Konstruktionen so planen, dass Wasser ablaufen und Holz abtrocknen kann
- Schnittkanten sauber ausführen und bei feuchtebeanspruchten Bereichen nach Planung schützen
- Bei Außenwandaufbauten eine funktionierende, bauphysikalisch geplante Konstruktion sicherstellen